Gleitmittel dienen in der Regel dazu, die Dinge zu erleichtern. Beim so genannten Lotion Play ist Gleitgel nicht mehr nur ein Hilfsmittel für besseren Sex, sondern wird selbst Teil des erotischen Spiels.
Das Prinzip besteht darin, die Haut großzügig mit Gleitgel einzureiben, um die Art und Weise zu verändern, wie sich Ihre Körper berühren. Die Hände gleiten besser, die Bewegungen werden fließender und manche Streicheleinheiten erhalten eine ganz neue Dimension.
Hinter dieser recht einfachen Spielart verbirgt sich also vor allem ein Spiel mit Texturen.
Lotion Play gehört zu den Spielarten des WAM, also des Wet and Messy, die mit den Empfindungen spielen, die feuchte und glitschige Substanzen hervorrufen.
Der Begriff Lotion kann in diesem Zusammenhang übrigens verwirrend sein. Es geht nämlich nicht darum, die Bodylotion zu verwenden, die man auch nach dem Duschen oder Baden aufträgt. Im japanischen Kontext, aus dem der Begriff stammt, bezeichnet Lotion auch besonders gleitfähige Gele, die für Massagen und andere sehr körperliche Spielarten verwendet werden.
Das Ziel besteht also nicht einfach darin, während der Penetration möglichst viel Gleitmittel zu verwenden. Beim Lotion Play wird das Gleitmittel oder Gleitgel auf eine größere Körperfläche aufgetragen, manchmal sogar ganz ohne Penetration.
Wenn Sie schon einmal eine Massage mit Öl erhalten haben, kennen Sie dieses Gefühl wahrscheinlich: Die Hände gleiten nicht auf dieselbe Weise über die Haut.
Beim Lotion Play wird dieses Prinzip einfach noch weitergeführt.
Eine Hand, die auf einer Hüfte ruht, kann diese normalerweise umfassen oder festhalten. Mit viel Gleitgel oder Gleitmittel rutscht die Hand jedoch ab und gleitet darüber hinweg. Zwei Oberkörper können sich somit fast widerstandslos aneinander reiben. Auf diese Weise ersetzen Unterarme, Oberschenkel, Bauch oder Oberkörper bei bestimmten Zärtlichkeiten die Hände.
Die Vorlieben sind dabei ganz unterschiedlich. Nicht alle streben nach maximaler Gleitfähigkeit. Manche mögen es, wenn ein wenig Widerstand bleibt, während andere es geradezu schätzen, dass sie den Körper ihres Partners oder ihrer Partnerin nicht mehr so leicht festhalten können.
Es gibt also kein richtiges Maß. Entscheidend ist, den Grad an Gleitfähigkeit zu finden, der Ihnen gefällt.
Nicht alle Produkte verhalten sich auf einer großen Hautfläche gleich.
Ein flüssiges Gleitmittel verteilt sich schnell, während ein dickflüssigeres Gel eher dort bleibt, wo es aufgetragen wurde. Manche verfügen über lang anhaltende Gleiteigenschaften, andere werden klebrig, wenn sie trocknen.
Dies ist übrigens ein Punkt, der in Bewertungen zu Gleitmitteln auf Wasserbasis häufig thematisiert wird. Sie sind praktisch, weil sie sich leicht abwaschen lassen. Dafür ist es manchmal erforderlich, nachzulegen, damit die Gleitfähigkeit erhalten bleibt. Silikonbasierte Gleitmittel bieten in der Regel eine länger anhaltende Gleitwirkung. Wer gleichzeitig Sexspielzeug verwenden möchte, sollte jedoch vorher prüfen, ob beides miteinander kompatibel ist.
Für den Einstieg ist also ein wasserbasiertes Gleitmittel die beste und einfachste Option. Und bei Spielarten, bei denen vor allem die Menge zählt, macht eine große Flasche oder Tube schnell Sinn.
Ein kleiner Tipp, bevor Sie sich selbst und das komplette Bett damit bedecken: Testen Sie das Produkt vorher auf Ihrem Unterarm und lassen Sie es ein paar Minuten einwirken. So merken Sie schnell, wie lange es gleitfähig bleibt oder wann es für Ihren Geschmack zu klebrig wird.
Beide Praktiken sind sich sehr ähnlich, weshalb sie oft verwechselt werden.
Auch bei einer Nuru-Massage stehen eine große Menge Gleitgel und Körper-an-Körper-Bewegungen im Vordergrund. Das Lotion Play ist aber freier: Es kann in Form von Massagen, Körper-an-Körper-Bewegungen oder Streicheleinheiten stattfinden oder sich ganz natürlich in das Liebesspiel einfügen.
Sie können also durchaus das Prinzip der Nuru-Massage übernehmen, ohne eine bestimmte Technik für das Lotion Play erlernen zu müssen.
Beim ersten Mal ist es auch nicht notwendig, sofort beide Körper komplett mit Gleitmittel einzureiben. Beginnen Sie mit dem Rücken, dem Gesäß oder den Oberschenkeln und steigern Sie die Menge dann nach und nach. So lässt sich der Unterschied zwischen klassischer Massage und Lotion Play besser wahrnehmen.
Nicht alles, was sich auf dem Körper glitschig und flutschig anfühlt, eignet sich für Lotion Play.
Für eine rein äußerliche Massage können bestimmte Körperpflegeprodukte geeignet sein, sofern sie von der Haut gut vertragen werden. Sobald jedoch die Möglichkeit besteht, dass sie mit dem Intimbereich in Kontakt kommen oder während der Penetration verwendet werden, sollten Sie besser ein Produkt wählen, das speziell für diesen Zweck entwickelt wurde.
Ähnlich vorsichtig sollten Sie sein, wenn Sie dabei ein Kondom tragen möchten. Öle und andere fetthaltige Substanzen können das Latex von Kondomen angreifen. Ein Gleitmittel auf Wasserbasis ist also die einfachste und unkomplizierteste Lösung, wenn Sie währenddessen Kondome oder Sexspielzeug verwenden möchten.
Wenn man viel Gleitmittel verwendet, landet es selten ausschließlich auf der Haut.
Ein großes Handtuch oder eine waschbare Unterlage verhindert, dass das Bett zu einer Großbaustelle wird. Produkte auf Wasserbasis haben zudem den Vorteil, dass sie sich relativ leicht von Haut und Textilien entfernen lassen.
Achten Sie vor allem auf den Boden. Gleitmittel unter den Füßen, auf Parkett oder Fliesen, kann schnell sehr rutschig werden.
Die Reinigung ist zwar nicht der spannendste Teil des Lotion Play, aber wenn man darauf vorbereitet ist, kann man den Rest viel entspannter genießen.
Für Lotion Play braucht es letztendlich weder eine bestimmte Stellung noch kompliziertes Zubehör.
Der Reiz liegt vor allem darin, dass es ein äußerst vertrautes Gefühl komplett verändert: den Hautkontakt. Die Berührung einer Hand fühlt sich nicht mehr gleich an, die Körper bewegen sich anders aneinander, und bekannte Streicheleinheiten können plötzlich neue Empfindungen hervorrufen.
Manchmal reicht es schon aus, die Textur zu verändern, um das Liebesspiel komplett auf den Kopf zu stellen.