Sex sollte eigentlich Lust und Vergnügen vermitteln. Manchmal ruft er aber, ganz im Gegenteil, Stress hervor, sorgt für Ängste, den Erwartungen nicht gerecht zu werden, Schwierigkeiten, loszulassen und das Gefühl, zu viel darüber nachzudenken. Sexuelle Ängste kommen viel häufiger vor, als man denkt. Wir fragen uns, warum das so ist, und möchten vor allem eins klarstellen: Sie bedeuten nicht, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt.
Sexuelle Ängste können zu Beginn einer Beziehung auftreten, nach einer schlechten Erfahrung, in einer Phase der Erschöpfung oder einfach dann, wenn man sich selbst zu viel Druck macht. Das Problem ist dabei nicht nur der Geschlechtsverkehr an sich, sondern alles, was man damit verbindet.
Wenn der Verstand zu viel Raum einnimmt, fällt es dem Körper oft schwer, mitzuhalten. Und in diesen Momenten kann es sein, dass das Sexleben weniger spontan, weniger unbeschwert und manchmal sogar ein wenig beängstigend ist.
Sexuelle Ängste zu haben, bedeutet Stress, Angst oder starken Druck im Zusammenhang mit Sexualität zu empfinden. Diese negativen Gefühle können vor dem Geschlechtsverkehr oder währenddessen auftreten.
Diese Ängste müssen nicht unbedingt sehr ausgeprägt sein. Manchmal ähnelt das Gefühl eher einer leichten inneren Anspannung: Man stellt sich zu viele Fragen, malt sich Dinge aus, beobachtet sich selbst und möchte „alles richtig machen“. Das Ergebnis ist, dass man nicht wirklich bei der Sache ist.
Anders als man vermuten könnte, kann dies jeden betreffen. Unabhängig von Alter, Geschlecht oder Beziehungsstatus.
Sexuelle Ängste können verschiedene Formen annehmen. Bei manchen Menschen äußern sie sich vor allem in einem ständigen Gedankenkarussell: In diesem Fall haben Sie beispielsweise Angst, Partner oder Partnerin zu enttäuschen, Angst vor dem Blick des Gegenübers, oder Angst, sich nicht gehen lassen zu können.
Bei anderen zeigen sich die Ängste auf körperlicher Ebene. Das Verlangen lässt nach, das Lustempfinden stellt sich nur zögerlich ein, Erektion oder Lubrikation sind erschwert, oder der Orgasmus scheint unerreichbar. Manche Betroffene ziehen es in diesen Situationen sogar vor, den Geschlechtsverkehr ganz zu vermeiden, nur um diesem Unbehagen nicht ausgesetzt zu sein.
Am tückischsten ist aber der Teufelskreis: Je mehr man sich sorgt, desto mehr verkrampft man sich. Und je mehr man sich verkrampft, desto größer ist die Gefahr, dass die Erfahrung enttäuschend ausfällt. Was den Stress beim nächsten Mal noch verstärkt.
Es gibt nicht nur eine einzige Ursache für sexuelle Ängste, aber einige Faktoren tauchen immer wieder auf. Am häufigsten ist der Leistungsdruck. Viele Menschen haben das Gefühl, dass Sex immer unbedingt gut sein muss, also lange genug dauern, flüssig, intensiv und von Anfang bis Ende befriedigend sein muss.
Auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers kann eine Rolle spielen. Wenn man sich auf seine Komplexe konzentriert oder das Bild, das man nach außen vermittelt, wird es schwierig, sich auf seine Empfindungen einzulassen.
Möglicherweise gibt es auch negative Erfahrungen aus der Vergangenheit, mangelndes Selbstvertrauen, starke Müdigkeit, Alltagsstress oder eine psychische Belastung, die bis ins Sexleben hineinreicht. Kurz gesagt: Alles, was den Kopf beschäftigt, schleicht sich oft auch ins Bett ein.
Zunächst einmal geht es darum, den Druck zu verringern. Sex muss nicht perfekt sein, um Spaß zu machen. Je mehr man versucht, den eigenen Geschlechtsverkehr „erfolgreich“ zu gestalten, desto größer ist die Gefahr, dass man das eigene Empfinden aus den Augen verliert.
Ein Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin kann ebenfalls sehr hilfreich sein. Zu sagen, dass man angespannt ist, dass man es langsam angehen möchte oder dass man den Druck etwas verringern möchte, trägt oft dazu bei, die gemeinsame Intimität entspannter zu sehen.
Es kann auch hilfreich sein, das Sexleben besonders einfach zu gestalten: sich mehr Zeit füreinander zu nehmen, sich wieder auf die Empfindungen zu konzentrieren oder sich gegenseitig ohne konkretes sexuelles Ziel neu zu entdecken. Und wenn die Ängste überhandnehmen, kann professionelle Hilfe einen echten Unterschied machen.
Sexuelle Ängste sind nichts, wofür man sich schämen müsste. Sie sind oft ein Zeichen dafür, dass der Druck zu groß ist, dass man sich nicht sicher genug fühlt oder einfach zu viele Gedanken im Kopf hat. Die gute Nachricht ist: Sie sind nicht unüberwindbar.
Mit ein wenig Verständnis, Nachsicht und weniger hohen Ansprüchen an sich selbst ist es durchaus möglich, wieder zu einer entspannteren und angenehmeren Sexualität zu finden.